Einige von euch fragen sich - und mich - wie mein Arbeitsalltag als Autorin mit ADHS bzw. AuDHS aussieht. Ich spoiler mal kurz: Meist gleicht kein Tag dem anderen. Routinen werden teilweise nach Wochen durch Krankheit oder andere Hinderisse ausgehebelt, was mich zurückwirft. Aber von vorne:
Wir leben in einer beschaulichen Kleinstadt am Rande Oberbayerns, die Kinder sind schulpflichtig, der Hund in einer langen Pubertätsphase und die Katzenoma leidet an Altersstarrsinn. Eine permanente Betreuung für unsere Kinder gibt es bei uns nicht, die meiste Zeit übernehmen wir selbst die Betreuung, sobald sie aus der Schule nach Hause kommen. Das heißt, Hausaufgaben im Doppelpack. Bayerisches Schulsystem. Sport und Hobbies.
vormittags habe ich die Wahl: Mache ich den Haushalt oder schreibe ich an einem Buch, einem Blog oder für Social Media. Einige rufen nun sicherlich: Nutze doch KI! Ja nun. KI kann nützlich sein, ich arbeite mit KI, um Dinge zu strukturieren oder einen Sparringpartner zu haben. Manchmal, einfach um Zeit zu sparen. Aber meine Texte möchte ich doch selbst schreiben, das ist mein Anspruch, das macht mir Spaß. Gelegentlich lasse ich mir Ideen liefern, wenn meine Gedanken festgefahren sind. Aber vollautomatisiert möchte ich das gar nicht, aus unterschiedlichen Gründen. Das auszuführen, geht aber am Thema vorbei, sorry.
Nun, sagen wir, ich entscheide mich für das Schreiben. Dann sitze ich im Büro, mit Aussicht ins Grüne, und haue in die Tasten. Solange, bis ein Blick auf die Uhr mich zusammenzucken lässt (oder der Hund mich anstupst). Zeit, Mittagessen vorzubereiten. Meist koche ich zwei bis drei Gerichte, damit alle satt werden. Je nach Uhrzeit kann ich noch einmal an den PC und recherchieren, weiterschreiben oder Grafiken erstellen. Danach rufe ich "Halsband", der Hund schlüpft hinein und wir machen uns auf, das Kind von der Schule abzuholen.
Nachmittags schreibe ich, wenn mein Mann im Homeoffice ist. Ansonsten unterstütze ich bei den Hausaufgaben und beim Lernen oder bringe die Kinder zu Aktivitäten. Ja, das ist alles nicht spannend, aber einfach Alltag. Manchmal passieren aufregende Dinge, aber das ist nicht die Norm. Ich bin ja schon froh, wenn ich nicht vergesse, was ich holen wollte, wenn ich die Küche betrete.
Ein Problem allerdings ist, dass ich Routinen brauche. Mit Routinen funktioniert mein Alltag gut. Aber mein ADHS sprengt gerne Routinen. Und wenn ich den Hyperfokus beim neuen Buch verliere, ist das Unglück perfekt. Für den Familienhund habe ich vier Jahre gebraucht. Mein Traberbuch hätte ich dafür noch heute nicht veröffentlicht, weil es nicht "perfekt" war. Nach zwei Jahren konnte mein Mann mich überreden, das Buch zu veröffentlichen. Das war 2018, vor meiner Diagnose.
Beim Familienhund lag es weniger an der Perfektion (schon auch), sondern daran, dass mein Hyperfokus zwischendurch gewechselt hat.
In meiner imaginären Schublade liegen ca. 20 angefangene Manuskripte. Und ich möchte gerne alle fertig haben. Immerhin: Komme ich mit einem Sachbuch nicht weiter, schreibe ich meinen Roman weiter. Nur nie aufhören. Schreiben kommt vom Schreiben, nicht wahr?
